Beispielgutachten

1. Für betriebliche Auftraggeber

Graphologisches Persönlichkeitsgutachten:
Vorstandsvorsitzender eines deutschen Weltkonzerns mit 60.000 Mitarbeitern (59 Jahre)
Der Schreiber präsentiert sich als sehr sachliche und zugleich ausgewogene Persönlichkeit mit hohem Leistungs- und Durchhaltevermögen. Er faßt rasch auf, reduziert die Sachverhalte auf den wesentlichen Kern, verfügt über Denkschärfe, große Klarheit und Exaktheit im Denken. Im Urteil unverstiegen, selbständig, kritisch und objektiv. Er stellt immer die Sache in den Vordergrund und nicht seine Person. Da er im Auftreten nicht viel Aufhebens von sich macht, braucht es Zeit, bis seine Qualifikation voll zum Tragen kommt, da er durch Leistung überzeugen will und nicht durch übertriebene Selbstdarstellung.
Bei ausgeglichenem und zugleich aktivem Temperament verfügt er über eine ungestörte Selbstgefühlslage und er hat Vertrauen zum Leben und zu sich selbst. Die an den Tag gelegte Dynamik ist angemessen, d.h. er ist ein "homo oeconomicus" im Einsatz seiner Kräfte. Er hat viel Auftrieb und ist doch äußerst kontrolliert und konzentriert in der zielsicheren Ausrichtung und Bündelung seiner Energie.
Er besticht ferner durch seine persönliche Kontinuität, durch klare Prinzipien, durch sein verläßliches und berechenbares Verhalten. Jegliches Lavieren ist ihm fremd: er ist äußerst gradlinig und eindeutig, tatkräftig und widerstandsfähig ohne Dominanzstreben. So gewinnt der Eindruck ethischen Verhaltens zunehmend an Gewicht, womit ihm durchaus eine Vorbildfunktion gelingt. Insgesamt sehr bewußt, aktiv entscheidungsfähig und tatkräftig im Umsetzen von Vorhaben. Improvisationen, Spekulationen oder unübersichtliche Verhältnisse entsprechen nicht seinem hohen Verantwortungsbewußtsein, ebenso wie eine Übereinstimmung von Wort und Tat für ihn selbstverständlich ist.

Graphologisches Persönlichkeitsgutachten:
Chef eines Medienunternehmens (47 Jahre)
Der Schreiber ist ein äußerst rühriger und wacher Mensch mit bemerkenswerter Change-Management-Kompetenz. Er faßt rasch auf, kombiniert auf seinem Spezialgebiet routiniert und zweckmäßig. Er ist ein nüchtern sachlicher Mensch, der auf Selbständigkeit großen Wert legt. Er ist vorurteilslos, äußerst wendig und wenig festgelegt. Bei betont lockerer innerer Grundhaltung vermag er ungezwungen zu improvisieren, sich rasch an die jeweilige Gegebenheit anzupassen und darauf zu reagieren, wobei er auf Absicherung seiner Position achtet. Seine Stärke ist sein diplomatisches Verhalten, weil er auch vieles bewußt offen läßt, um im nachhinein die Interpretation in seinem Sinne vornehmen zu können. Auf seine Art sehr schlau, äußerst situationsbezogen und opportunistisch. Unternehmungsfreude und Sachehrgeiz ergänzen das auf seine Weise geniale Verhalten. Aufgrund seines Lavierens ist er für andere schwer durchschaubar und schwer berechenbar. Er arbeitet zügig, simplifiziert die Sachverhalte und Zusammenhänge und bringt diese auf einen einfachen Nenner. Seine Beweglichkeit ist Methode, d.h. er legt sich nicht gerne fest. Er hat gelegentlich Stimmungsschwankungen zu bewältigen, ist um Kontrolle bemüht, wobei er seine innere Lässigkeit nie verleugnen kann. Insgesamt ein strebsamer, in seiner Persönlichkeit aber wenig festgelegter Mensch, der Regeln und Normen freizügig auslegt.

Auf Wunsch kann im Gutachten auch auf Stärken und Schwächen, das Entwicklungspotential und besondere Fragen eingegangen werden.


2. Für private Auftraggeber

Frau A. (70 Jahre)
Die Schreiberin macht für Ihr Alter einen ausgesprochen lebhaften und aktiven Eindruck. Sie ist natürlich, spontan und verrät in ihrem Verhalten eine starke psychische Dynamik. Sie wird von erlebnisbedingten Leitbildern geführt, weiß sich gut darzustellen, mitzuteilen und ist durchaus affektiv in ihrer Reaktionsweise.
Sie denkt anschaulich, hat ein gutes Vorstellungsvermögen und ist altersbedingt mittel konzentrationsfähig. Für sie interessante Sachverhalte werden gut aufgefaßt und ungezwungen wiedergegeben. Sie ist allgemein sehr wach, aufgeschlossen und noch von einer geistig-seelischen Spannkraft bestimmt, um die sie jüngere Menschen beneiden würden. Sie ist in ihren lebhaften Antrieben nicht voll gesteuert, erlebt dabei Haltungsverluste als negativ. Diese kann sie mit ihrem Temperament freilich leicht überspielen . Warm, ungezwungen und beweglich geht sie auf andere zu, ist äußerlich gut angepaßt bei innerem Abstand . In ihrem auf Durchsetzung zielenden Willenseinsatz ist eine fast männliche Komponente festzustellen, so daß eine Antriebsausweitung in sehr optimistischer und unvoreingenommener Art entsteht. Sie hat vor allem Tatsachen im Auge, lehnt deshalb Spekulationen aller Art ab und zeigt ein ziemliches Rechtsbewußtsein bei konservativer Grundeinstellung.Insgesamt läßt sie Individualität erkennen samt vitaler Selbstsicherheit und einer positiven Ausstrahlung auf andere. Stellt man sich auf ihre Art ein, dann kann man sich auf sie verlassen.


Schriftprobe Frau A. (70 Jahre)

Frau B. (50 Jahre)
Die Untersuchung der vorliegenden Schriftprobe ergibt, daß es sich bei der Schreiberin um einen sehr vitalen Menschen handelt, dessen ganzer Charakter durch die starke Lebenskraft geprägt wird.
Ihr Wille erhält durch den vitalen Antrieb Schwung, Wucht und Belastbarkeit. Hinzu kommt eine starke Wirk- und Schaffenslust, unternehmerischer Einsatz samt Durchsetzungsfähigkeit. Ihre Antriebe werden gut gesteuert, so daß sie ihre Ziele mit Ausdauer und gehörigem Nachdruck zu verfolgen vermag. Sie ist voll auf die jeweiligen Lebensaufgaben konzentriert und geht sehr tatkräftig vor. Insgesamt innerlich ziemlich verfestigt und vereinheitlicht. Durch diese Veranlagung entsteht bei ihr der Glaube, alles durch den Willen machen zu können, nach dem Motto: "Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg". Aufgrund ihrer Tatkraft neigt sie evtl. dazu, psychologische Fragen etwas außer Acht zu lassen, d.h. sie schlägt einen Knoten am liebsten durch.
Ihr Selbstgefühl ist ebenfalls gefestigt und äußert sich in großer Selbstüberzeugtheit, Sicherheit und evtl. in einer gewissen Selbstherrlichkeit. Im Umgang für das Alter schwungvoll und beweglich, in mancher Beziehung sogar jugendlich. Sie ist sehr natürlich, zuversichtlich und kontaktfähig, strahlt Gemütswärme aus und echte Herzlichkeit. Freilich kann sie gelegentlich im Impuls etwas aufbrausen und auch verletzend werden. Dies geschieht im Überschwang der Gefühle und ist im Grunde nicht so gemeint. Andererseits kann sie geschickt anpassen und mit weiblicher Diplomatie vorgehen. Kurz, die Schreiberin braucht einen starken Partner, der ihr Ausbrüche etwas zu bremsen und auszugleichen vermag.
Sie ist eine Praktikerin mit Wirklichkeitssinn und einem gesunden Menschenverstand. Dabei kann es vorkommen, daß sie sich von Gefühlsneigungen leiten läßt, manches aus Vorliebe oder Abneigung anders sieht, als es wirklich ist. Im Urteil an konventionellen Normen ausgerichtet und teils etwas subjektiv. Sie pflegt Ordnung und Übersicht in ihrem geistigen Haushalt, kann in der Eile aber schon einmal den großen Überblick und Zusammenhang aus den Augen verlieren.
Im Ausdruck in Wort und Schrift ist die Schrifteignerin gut befähigt. In Gedanken beschäftigt sie sich stark mit ihrer eigenen Person, ist etwas egozentrisch und selbstgefällig. Aus Eitelkeit wird sie vielleicht manches nicht so gerne offenlegen und lieber so darstellen, wie es für ihre Zwecke günstiger ist. Im allgemeinen kann sie als zuverlässig bezeichnet werden, sie will vor allem in den Augen anderer als korrekt und ordentlich gelten.
Aufgrund der geschilderten Lebenskraft ist sie in der Lage, seelisch-sinnliche Reize mit immer neuer Ansprechbarkeit aufzunehmen. Auch sexuelle Forderungen sind im Rahmen ihrer sehr aktiven Gesamtpersönlichkeit zu sehen. Sie ist in keiner Weise verklemmt oder irgendwie gehemmt, eher zu dynamisch, direkt und naiv anspruchsvoll.
Zusammenfassend ist im Hinblick auf die Fragestellung des Auftraggebers (Eignung für eine Ehe) zu sagen, daß einerseits durchaus liebenswerte Züge gegeben sind, andererseits jedoch Eigenheiten auftreten, die nur im Zusammenhang mit der Ausgleichsfähigkeit und überhaupt dem Charakter des eventuellen Partners richtig beurteilt werden können.


Schriftprobe Frau B. (50 Jahre)

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Der Berufsverband geprüfter Graphologen/Psychologen e.V. hat für in Ausbildung stehende Personen ein "Graphologisches Lesebuch" mit über 50 Mustergutachten herausgebracht, das zum Preis von EURO 20,- bezogen werden kann.



Das folgende Gutachten ist in einem Seminar an der Universität München entstanden und zeigt, welche Schlußfolgerungen auf tiefenpsychologischer Basis in den Gutachten möglich sind.

Die Ausarbeitung bezieht sich auf eine 45jährige Managerpersönlichkeit mit juristischer Vorbildung, deren Schrift aus Diskretionsgründen leider nicht gezeigt werden kann:

Bei der Auseinandersetzung mit den Schriftproben erstaunt die Unterschiedlichkeit, mit der sich die private gegenüber der beruflichen Sphäre des Schreibers absetzt. Es mutet fast eigenartig an, daß beide Schriftproben sogar aus der gleichen Lebensphase des Schreibers stammen.

Die Frage nach der Eignung für die Übernahme der Geschäftsleitung kann also nicht aus der einen oder anderen Schriftanalyse beantwortet werden, sondern muß besonders die eigentümliche Diskrepanz der Schriften thematisieren.

Beide Schriften zeigen ein hohes intellektuelles Niveau, Klarheit im Denken, Geordnetheit der Gedankenführung. Steht privat die Nahsicht im Vordergrund, zeigt sich in der beruflichen Rolle Weitblick und das souveräne Erfassen des Wesentliche – was bisweilen zu einer etwas grandiosen Lässigkeit und Flüchtigkeit in Nebensachen führt. Die Abneigung gegen Spekulationen, seine Organisationsgabe und rationale Systematik empfehlen den Schreiber als verläßlichen Arbeiter. Beruflich von hoher Vitalität und Spannkraft, dabei belastbar und von hoher Widerstandskraft, führt ein sensibles Selbstwertempfinden zu einem Überlegenheitsbedürfnis, das in Entschiedenheit hohe Selbstanforderungen durch die Arbeit einlösen will. Seinen Autoritätsanspruch kann er dennoch mit Takt und diplomatischem Geschick umsetzen. Seine Wendigkeit und Umstellungsfähigkeit bewirken die Anpassungsleichtigkeit; sein Wirkungsdrang mit optimistischem Schwung läßt eine leichte Tendenz zur Breitspurigkeit verzeihen.

Demgegenüber erscheint der Schreiber im privaten Bereich wesentlich weniger selbstbewußt, wirkt verhaltener. Er ist aus einer existenziellen Unsicherheit bemüht, vermeintliche Fehler rasch auszugleichen, seine Unfreiheit und Zaghaftigkeit zu verdecken. Als sozialer Typus macht ihn seine Selbstunsicherheit privat wenig belastbar.

Offensichtlich scheint die Gesamtpersönlichkeit zu wenig integriert; die verschiedenen Akzentuierungen als Privatperson und in der Sphäre des Berufes lassen die Frage aufscheinen, ob hier ein Lebensbereich kompensatorisch für den anderen dient: die verdrängte Unsicherheit beruflich überkompensiert, Selbstversicherung und Selbstverwirklichung in den Beruf verschoben wurde, die empfindsamen Anteile nur in einer privaten Retardierung ihren Platz haben dürfen.

Es muß unsicher bleiben, ob der Schreiber dauerhaft die Spannungen in seiner Persönlichkeit kompensieren kann; dekompensiert er – in welchem Bereich auch immer – muß mit deutlichen Veränderungen und Labilisierungen gerechnet werden, welche die für die Führung des Unternehmens notwendige sichere Stabilität fraglich erscheinen lassen. Von diesem Punkt her wäre eine nachreifende, die verschiedenen Persönlichkeitsanteile integrierende Maßnahme anzuraten. Auf dem derzeitigen Entwicklungsstand sollte davon abgesehen werden.

Christian Zimmermann


© Berufsverband geprüfter Graphologen/Psychologen e.V.