Ist an der Graphologie doch etwas dran? Untersuchungen zur Übereinstimmung von Graphologenurteil und psychometrischen Persönlichkeitstests, in: Zeitschrift für Personalpsychologie, Hogrefe, Göttingen 2002, S. 171 – 176.

An der an der Universität Leipzig durchgeführten Studie nahmen 60 Studienanfänger der Psychologie teil. Zur psychometrischen Erfassung ausgewählter Persönlichkeitseigenschaften wurde u. a. der 16-Persönlichkeits-Faktoren-Test, der Trierer Persönlichkeitsfragebogen, das NEO-Fünf-Faktoren Inventar und der Leistungsmotivationstest eingesetzt. Des weiteren kam ein sog. objektiver Persönlichkeitstest , die Testbatterie „Arbeitshaltungen“ zur Anwendung. Die Testanden hatten einen einheitlichen Text unter standardisierten Bedingungen (Papier, Schreibgerät, Situation) abzuschreiben. Auf der Basis dieses Textes gaben fünf geprüfte Graphologen ihr gemeinsames Urteil in Bezug auf sieben fünfstufig unterteilte Beurteilungsdimensionen ab. Die sieben Beurteilungsdimensionen waren: Soziale Impulsivität, Kognitive Impulsivität, Soziale Gehemmtheit (Introversion), Leistungsmotivation, Gewissenhaftigkeit, Frustrationstoleranz und innere Ruhe.

„Als Fazit können wir schlußfolgern: Insbesondere dann, wenn Fragebogenergebnisse auf Grund erhöhter Tendenz, sozial erwünschte Antworten zu geben (wie z.B. in Eignungstestsituationen), möglicherweise invalide Ergebnisse liefern, sind Graphologen-Urteile potentiell doch interessante, da nicht so leicht verfälschbare „Zusatzinformationen“ für den Diagnostiker. Hinweise für diese Vermutung gibt es in unserer Studie vor allem bei der Dimension Intro- bzw. Extraversion. (…) Da die Schriftproben bereits früher (also vor der diagnostischen Begutachtung) erbracht werden konnten und nicht unter dem Einfluß des Diagnostikers entstehen müssen, handelt es sich bei der Graphologie daher um ein sog. nicht-reaktives Verfahren sensu Webb, Campbell, Schwartz und Sechrest (1975), das gewisse „Objektivitätsvorteile“ gegenüber den üblichen reaktiven Verfahren der Diagnostik aufweist.“