Bei einem Rücklauf von 83 % haben 13 Graphologen bei 44 Kunden 84 Fragebögen eingeholt.
Demnach werden Gutachten zu 27 % im Rahmen von Neueinstellungen eingeholt, zu 17 % vor anstehenden Beförderungen und zu 49 % im Rahmen einer Standortbestimmung bzw. zur Laufbahnberatung. 87 % der Kunden fanden ihre Erwartungen durch die Gutachten klar bestätigt.

Aus persönlichen Anmerkungen auf offene Fragen geht hervor, daß graphologische Gutachten den Firmen eine wichtige Entscheidungshilfe bieten. Teure Fehlbesetzungen lassen sich damit vermeiden.

“Die Graphologie bestätigt und vervollständigt unsere Eindrücke, die wir von einem Bewerber gewonnen haben. Auch hilft sie, Unsicherheiten nach der Beurteilung des Bewerbers zu beseitigen. … Ein hoher Nutzwert ergibt sich aus dem Dialog zwischen Personalchef und Graphologen. … Hat ein Unternehmen über lange Zeit Aussagen und Beurteilungen erhalten, die sich in der Arbeitspraxis der Bewerber bestätigt haben, so kann man sich auf sie verlassen. Zahlen oder Prozente anzugeben, bleibt dann müßig.”

Hönig Wolf: Zukunftsorientierte Personalbeschaffung. Ein Leitfaden für den Praktiker. Zürich: Verlag Organisator AG

“Auch diese Methode (die Graphologie) erfreut sich trotz aller Mängel, die man ihr mit mehr oder weniger guten Begründungen schon angelastet hat, gleichbleibender Beliebtheit, wohl nicht zuletzt wegen ihrer Handlichkeit: die Schriftbeurteilung hat den unschätzbaren Vorteil, ohne physische Präsenz des Kandidaten Persönlichkeitseinblicke zu gewähren, die – wenn sie von Kennern stammen – erstaunlich nuanciert sein können.”

Spörli, Siro, Schmid, Fred W.: Das Einzel-Assessment als Baustein der Führungskräfteentwicklung (3.Aufl.)
In: Hans-Christian Riekhof (Strategien der Personalentwicklung. S. 361-372) Wiesbaden. Gabler.

“Im Auswahlverfahren für Pilotenanwärter bei der Swissair hat die Graphologie seit Jahren ihren Platz. … Der graphologische Beitrag im Selektionsverfahren wird wie folgt geortet. Die Terminologie entspricht den Kommunikationsgepflogenheiten im Rahmen der Pilotenselektion.”

  1. Gesamtpersönlichkeit (Niveau, Format, Profilierung, Vitalität, Temperament, Dynamik, Transparenz der Persönlichkeit)
  2. Soziabilität (Teamverhalten, Kollegialität, emotionelle Resonanz)
  3. Entwicklungsaspekt, “Entwicklungsperspektive”
  4. Leistungsvermögen

Abschließend der Satz eines altbewährten Kommandanten zum Stellenwert der Graphologie in der Pilotenselektion: “Ich finde, es ist ein ‘Must’, auch diese Ressource in die Pilotenselektion einfließen zu lassen.”

Gassner, Fritz: Die Graphologie in der Pilotenselektion, in: Zeitschrift für Menschenkunde (57. Jg.), S. 13 -26.

“In Deutschland gilt ein Testverfahren für obere Führungskräfte als Zumutung und Entwürdigung, und ist es weitgehend auch. Dies beginnt schon damit, daß man in einem Institut mehreren Manipulationen ausgesetzt ist, am Ende einen ganzen Tag lang. Damit wird zwischen dem, der die Stelle ausschreibt, und dem, der sich um sie bewirbt, ein sehr einseitiges Verhältnis geschaffen: Die eine Seite bietet nichts, von der anderen Seite wird alles gefordert. Allein die Notwendigkeit der Anwesenheit des Bewerbers beim Testverfahren erregt also schon meine Bedenken. Ich erstrebe immer Partnerschaft zwischen dem, der die Stelle ausschreibt, und dem Bewerber um die Stelle; das Spiel soll auf dem gleichen Platz bei gleichen Bedingungen ausgetragen werden.”

Die Industriegruppe Quandt, in der ich tätig bin, hat Tochtergesellschaften in Ländern, in denen Testverfahren auch für Führungskräfte angewandt werden. Da habe ich die Möglichkeit des Vergleichs zwischen den Ergebnissen eines Testverfahrens und eines graphologischen Gutachtens. Festgestellt habe ich, daß die Aussagefähigkeit beim Testverfahren bei allem Umstand, den es erfordert, im Fazit nicht größer ist, und sich das Risiko bei einer Einstellung dadurch nicht verringert.

So bleibt als einziger Test das graphologische Gutachten. Fast zwanzig Jahre Erfahrung habe ich mit ihm, und so glaube ich, dies genügt zu einem Urteil. Dies sieht so aus:

1. Von jedem, der als ernsthafter Bewerber in Betracht kommt, wird eine Handschriftprobe erbeten – er weiß also, daß er graphologisch beurteilt wird. Das Gutachten wird aber erst nach dem persönlichen Kennenlernen eingesehen – dies einmal, um, wie bereits erwähnt, Voreingenommenheit zu vermeiden, dies zweitens aber auch, um eine Konfrontation zwischen dem persönlichen Eindruck und dem Gutachten zu ermöglichen.

2. Das graphologische Gutachten ist uns ein Hilfsmittel zur Entscheidung, nicht die Entscheidung selbst.

3. Es kommt sehr darauf an, daß man den Gutachter gut kennt, auch seine Abneigungen und Vorlieben. Ferner kommt es darauf an, daß einer da ist, der graphologische Gutachten zu lesen versteht.

4. Zusammenfassend darf ich sagen, daß mir das graphologische Gutachten eine wichtige Hilfe ist, die ich nicht missen möchte, eine Hilfe zumal bei der Personalarbeit im Führungsbereich.

Dr. Dirk Cattepoel : Erfahrungen bei der Vorstellung und Beurteilung von Bewerbern. In: Zeitschrift für Menschenkunde (36. Jg.) S. 243 – 251.